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Wer darf nach der Trennung in der Wohnung bleiben?


Grundsatz: Jeder Ehegatte hat das gleiche Recht, in der Ehewohnung zu bleiben!

Grundsätzlich hat jeder der beiden Eheleute das gleiche Recht, in der Ehewohnung zu wohnen, wie der andere Ehegatte.

Aus diesem Grund darf auch keiner der Eheleute den Anderen einfach "rauswerfen". Das gilt auch dann, wenn einer der Eheleute Alleinmieter oder Alleineigentümer der Wohnung ist. Auch in diesem Fall darf er den anderen Ehegatten nicht einfach rauswerfen. Denn aufgrund der bestehenden Ehe hat auch der andere Ehegatte das Recht, in der Wohnung zu leben, auch wenn er den Mietvertrag nicht unterschrieben hat oder wenn er nicht Miteigentümer ist. Die Trennung ändert nichts an diesem Recht.

Beispiel: Der Ehemann M ist Alleineigentümer der Wohnung, in der er und seine Frau F wohnen. Wenn M sich von F trennen will, darf er seine Frau F nicht einfach aus der Wohnung werfen, obwohl er Alleineigentümer ist. Er kann F nur bitten, auszuziehen. Falls F aber nicht freiwillig auszieht, muss M wohl oder übel selber ausziehen, wenn er sich von ihr trennen will. Durch einen solchen Auszug gibt er aber sein Eigentumsrecht an der Wohnung nicht etwa auf. Vielmehr bleibt er Eigentümer. Deshalb darf F auch nur noch vorübergehend in der Wohnung bleiben, längstens bis zum Ablauf des Trennungsjahres.


Nur im Falle häuslicher Gewalt darf ein Ehegatte den anderen hinauswerfen oder durch die Polizei hinauswerfen lassen. Diese Gewalt muss dann aber aktuell vorliegen und nicht etwa Wochen zurückliegen.


Rückkehr des ausgezogenen Ehegatten:

Nachdem ein Ehegatte ausgezogen ist, darf er ohne Zustimmung des anderen Ehegatten die Wohnung nicht mehr betreten. Das gilt auch dann, wenn der ausgezogene Ehegatte (Mit-)Eigentümer oder (Mit-)Mieter der Wohnung ist.

Beispiel: Die Eheleute M und F haben sich getrennt. Sie sind gemeinsam Miteigentümer eines Hauses, in welchem nach der Trennung allein die Ehefrau wohnt. M hat sich eine eigene kleine Wohnung gesucht. Ab und zu betritt er unangemeldet das Haus, wozu er sich berechtigt fühlt, "weil ihm ja schließlich "das halbe Haus gehört". Das darf er aber nicht. Indem er ausgezogen ist, hat er freiwillig seiner Frau den Alleinbesitz des Hauses überlassen. Er darf das Haus daher nur in Absprache mit seiner Frau betreten. Hält er sich nicht daran, dann darf die Frau die Schlösser austauschen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Situation ewig so anhält und die Frau unbegrenzt in der gemeinsamen Immobilie wohnen bleiben könnte. Nach Ablauf des Trennungsjahres, spätestens mit Einreichung des Scheidungsantrags, kann jeder Ehegatte verlangen, dass eine Neuregelung stattfindet. Eine solche Neuregelung kann z.B. darin bestehen, dass das Haus verkauft wird, oder dass ein Ehegatte die Eigentumshälfte des anderen Ehegatten übernimmt, oder dass das Haus an einen Dritten vermietet wird.