Wem steht das Umgangsrecht zu?

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Wem steht das Umgangsrecht zu?2017-11-25T15:18:38+00:00

Umgangsrecht des Kindes:
In erster Linie ist das Umgangsrecht ein eigenes Recht des Kindes, § 1684 Absatz 1 BGB. Gibt es Probleme beim Umgangsrecht, kann sich das Kind kostenlos beim Jugendamt beraten lassen.

Umgangsrecht der Eltern:
Derjenige Elternteil, bei dem das Kind nicht wohnt, hat ein Umgangsrecht mit dem Kind. Es macht keinen Unterschied, ob die Eltern miteinander verheiratet sind bzw. waren oder nicht. Auch der nichteheliche Vater hat also grundsätzlich dieses Umgangsrecht.

Das Umgangsrecht des leiblichen Vaters kann aber eingeschränkt sein, wenn rechtlich nicht er, sondern der Ehemann der Kindesmutter als Vater gilt (siehe unten).

Lassen sich verheiratete Eltern scheiden, so entscheidet das Gericht grundsätzlich nicht über das Umgangsrecht. Nur dann, wenn einer der Eltern eine gerichtliche Entscheidung ausdrücklich beantragt, entscheidet der Richter (§ 1671 Absatz 1 BGB).

Das Familiengericht kann auf Antrag das Umgangsrecht eines Elternteils einschränken oder ausschließen, wenn dies zum Wohle des Kindes erforderlich ist (§ 1684 Abs. 4 BGB).

Umgangsrecht des leiblichen, aber nicht rechtlichen Vaters:
Bekommt eine verheiratete Frau ein Kind von einem anderen Mann, so gilt kraft Gesetzes der Ehemann als Vater, solange die Vaterschaft nicht angefochten wird. Der leibliche Vater, dessen Vaterschaft nicht anerkannt oder festgestellt wurde, hat in diesem Fall (nur) dann ein Umgangsrecht, wenn dieser Umgang dem Kindeswohl dient und der Vater ernsthaftes Interesse am Kind zeigt.

Ob dies der Fall ist, muss aber immer anhand des Einzelfalls geprüft werden. Wächst das Kind in der Familie seiner Mutter und deren Ehemann, welcher rechtlich als Vater gilt, in einem emotional stabilen Familienverband auf, so kann ein Umgangsrecht des wirklichen Vaters u.U. da Kindeswohl gefährden. Das gilt insbesondere dann, wenn es zwischen dem leiblichen Vater und Kind lange Zeit gar keinen Kontakt gab (OLG Bamberg FamRB 2013,284).

Gegen ein Umgangsrecht des leiblichen Vaters kann es auch sprechen, wenn infolge erheblicher Widerstände und Ängste der rechtlichen Eltern gegen den biologischen Vater das bestehende Familiensystem, in dem das Kind lebt, durch das Auftauchen des biologischen Vaters beeinträchtigt würde (OLG Karlsruhe, FamRZ 2015,1624).

Umgangsrecht von Großeltern, Geschwistern, früheren Stiefeltern und sonstiger Personen:
Großeltern und Geschwister haben ein Recht auf Umgang mit dem Kind, wenn dieses dem Wohl des Kindes dient (§ 1685 Absatz 1 BGB). Dabei kommt es u.a. darauf an, ob das Kind bislang eine gewisse Bindung an den betreffenden Großelternteil hatte. In der Regel schadet es dem Kindeswohl, wenn infolge von Trennung bzw. Scheidung eine solche Bindung zerrissen wird.

Schwierig kann es aber werden, wenn die Eltern bzw. der betreuende Elternteil und die Großeltern völlig zerstritten sind. Denn es kann sehr belastend für das Kind sein, dass ein solcher Streit bei den Umgangskontakten mit den Großeltern immer wieder “aufgewärmt” wird und das Kind vielleicht sogar in Loyalitätskonflikte gerät. In diesem Fall dient ein Umgang des Kindes mit den Großeltern gerade nicht dem Kindeswohl. Allerdings: nicht jeder “normale” Streit rechtfertigt einen Ausschluss des Umgangs. Außerdem hat der betreuende Elternteil (genauso wie natürlich auch die Großeltern) die Pflicht, im Interesse des Kindes dafür zu sorgen, dass ein Umgang der Großeltern mit dem Kind nicht zu belastenden Konflikten führt.

Großeltern müssen aber das Erziehungsrecht der Eltern beachten. Das heißt, die Eltern bestimmen, wie das Kind erzogen werden soll. Missachten die Großeltern diesen Elternwillen (lassen sie das Kind z.B. gegen den ausdrücklich erklärten Willen der Eltern stundenlang Fernseher gucken oder respektieren sie nicht den Wunsch der Eltern nach vegetarischer Ernährung des Kindes),  so kann das zum Verlust des Umgangsrechts führen (BGH NZFam 2017,988).

Hilfe für betroffene Großeltern bietet die “Bundesinitiative Großeltern“.

 

Gleiches gilt für den Ehegatten oder früheren Ehegatten eines Elternteils, der mit dem Kind längere Zeit in häuslicher Gemeinschaft gelebt hat (§ 1685 Absatz 2 BGB).