Trennung ohne Scheidung

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Trennung ohne Scheidung 2017-10-31T20:57:16+00:00

Hat eine Trennung ohne Scheidung Vorteile?

Manchmal dauert eine Trennung viele Jahre, bis sich einer der Ehepartner entschließt, sich scheiden zu lassen. Viele Eheleute fragen sich auch, ob sie sich überhaupt scheiden lassen sollen oder ob es nicht ausreicht, dass sie getrennt leben.

Es fragt sich, welche Vor- und Nachteile eine dauerhafte Trennung ohne Scheidung haben kann. Hierzu muss man wissen, dass die gesamte Trennungszeit bis zur Scheidung rechtlich weiterhin als Ehezeit gilt.

Vorteile?

1. Eine dauerhafte Trennung ohne Scheidung bietet keine steuerlichen Vorteile! Viele Eheleute glauben, sie müssten erst nach der Scheidung die Steuerklassen ändern. Das ist aber falsch. Vielmehr müssen die Steuerklassen bereits zum Beginn des Kalenderjahres geändert werden, das auf die Trennung folgt. Eheleute, die sich z.B. im Jahre 2016 trennen, müssen also ab dem 1.1.2017 bereits die neuen Steuerklassen haben. Ob sich die Eheleute jemals scheiden lassen oder nicht, ist dagegen steuerlich irrelevant.

2. Familienmitversicherung in der Krankenkasse: Ist z.B. die Ehefrau beim Ehemann in dessen Krankenkasse mitversichert, so bleibt diese Mitversicherung trotz der Trennung bestehen. Sie endet erst mit Rechtskraft der Scheidung.

3. Erbrecht: Solange kein Scheidungsantrag eingereicht ist, besteht trotz einer Trennung das gesetzliche Erbrecht der Ehegatten. Dieses Erbrecht erlischt erst mit Einreichung des Scheidungsantrags.

4. Aufenthaltsrecht: Ist einer der Ehegatte Ausländer und besitzt dieser Ehegatte nur wegen der Ehe ein Aufenthaltsrecht in Deutschland, so erlischt dieses Aufenthaltsrecht in der Regel bereits mit der endgültigen Trennung der Eheleute. Die Ehe trotz offenkundiger Trennung weiter aufrecht zu erhalten bietet also in aufenthaltsrechtlicher Hinsicht keine Vorteile.

Nachteile:

1. Solange die Ehe nicht geschieden ist, kann ein Ehegatte natürlich nicht neu heiraten. Das stellt sich oft gerade dann als sehr hinderlich heraus, wenn die neue Eheschließung aus irgendeinem Grund “dringend” ist. Denn dann muss erst die alte Ehe geschieden werden, was leicht sechs bis zehn Monate dauern kann.

2. Erbrecht: Solange die Ehescheidung nicht beantragt wurde, erbt im Todesfall der getrennt lebende Ehegatte nach den gesetzlichen Vorschriften. Wer das nicht will, muss die Scheidung einreichen oder mit dem anderen Ehegatten einen Erbverzicht vereinbaren. Dies geht freilich nur mit Zustimmung des anderen Ehegatten.

3. Unterhalt: Solange die Ehe nicht geschieden ist, muss der besser verdienende Ehegatte dem anderen Ehegatten Trennungsunterhalt zahlen. Der andere Ehegatte kann auf diesen Trennungsunterhalt rechtlich nicht wirksam verzichten! Zwar zwingt niemand den anderen Ehegatten, den Unterhalt tatsächlich zu fordern. Der besser verdienende Ehegatte muss aber immer damit rechnen, dass der andere Ehegatte doch noch Trennungsunterhalt fordert. Dieser Trennungsunterhalt wird dann aufgrund der aktuellen Einkommenssituation berechnet. Ist das Einkommen des Unterhaltspflichtigen seit der Trennung gestiegen, so steigt möglicherweise auch der Trennungsunterhalt.

Beschließt einer der Ehegatten, sich nach längerer Trennungszeit doch noch zu scheiden, so kann eine lange Trennungszeit Auswirkungen auf die Dauer des nachehelichen Unterhalts haben. Denn in vielen Fällen hängt die Dauer des nachehelichen Unterhaltsanspruchs von der Dauer der Ehe ab. Da die Trennungszeit zur Ehezeit zählt, verlängert sich durch eine lange Trennungszeit also auch die Zeit, für die nachehelicher Unterhalt verlangt werden kann. Eventuell ist die Ehezeit sogar so lang, dass überhaupt keine zeitliche Beschränkung des nachehelichen Unterhaltsanspruchs mehr vorgenommen werden kann.

4. Rente: Im Falle einer Scheidung ist grundsätzlich der so genannte Versorgungsausgleich durchzuführen, also der Ausgleich der während der Ehezeit erworbenen Rentenrechte (Näheres zur Möglichkeit, den Versorgungsausgleich bei langer Trennungsdauer zeitlich zu befristen, erfahren Sie unter ” Härtefälle im Versorgungsausgleich “).


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