Wie werden Allein-Schulden eines Ehegatten bei der Unterhaltsberechnung berücksichtigt?

1. Schulden, die bereits vor der Trennung eingegangen wurden, und die bereits während der Ehe abgezahlt wurden, können vom Einkommen abgezogen werden.

Beispiel: Der Ehemann hatte vor der Heirat ein Geschäft, mit dem er Pleite gegangen ist. Daraus hatte er Schulden von 50.000,- Euro, die er bereits während der Ehe mit 500,- Euro monatlich abgezahlt hat. Die Ehefrau hat zwar nichts mit diesen Schulden zu tun. Dennoch kann der Ehemann bei der Unterhaltsberechnung diese 500,- Euro monatlich von seinem Einkommen abziehen. Dadurch zahlt er 250,- Euro weniger Ehegattenunterhalt. Wirtschaftlich gesehen ist es also genau so, als würde seine Frau sich mit monatlich 250,- Euro an den Schulden beteiligen.

Wichtig: Schulden für eine Immobilie, in der der Unterhaltspflichtige selber wohnt, können abgezogen werden. Das gilt nach neuerer Rechtsprechung sowohl für die Zinsen als auch für die Tilgung. Auf der anderen Seite muss allerdings der Wohnwert der Immobilie dem Einkommen wieder hinzuaddiert werden. Übersteigen die Kreditraten den Wohnwert, so kann die Differenz nur insoweit abgezogen werden, als sie als zusätzliche Altersversorgung anerkannt werden kann. Weitere Informationen dazu erhalten Sie in unserem Kapitel “Wohnwert“.

2. Bei Schulden, die erst nach der Trennung eingegangen werden, ist zu unterscheiden:

a) Schulden, die der Vermögensbildung dienen, können grundsätzlich nicht abgezogen werden. Hiervon gibt es zwei Ausnahmen:

(1) Tilgungsraten für eine Immobilie können insoweit angezogen werden, wie andererseits ein Wohnwert als Einkommen angerechnet wurde. Näheres hierzu erfahren Sie im Kapitel “Wohnwert“.

(2) Vermögensbildung kann als zusätzliche Altersvorsorge abzugsfähig sein. Jeder Ehegatte kann zusätzlich zur gesetzlichen Altersvorsorge (bzw. der Pension) noch bis zu 4% seines monatlichen Bruttoeinkommens als zusätzliche Altersvorsorge ausgeben. Dabei kann es sich auch um Vermögensbildung handeln.

b) Andere Schulden können beim Kindesunterhalt vom Einkommen abgezogen werden, wenn sie nicht wirtschaftlich unsinnig sind. So können z.B. Raten für einen Pkw abgezogen werden, wenn es sich nicht um ein übertrieben teures Luxusauto handelt und der Berufsausübung dient. Es ist aber nicht erforderlich, dass die Schulden unvermeidbar sind. Die Raten für den Pkw können also auch dann abgezogen werden, wenn der Unterhaltspflichtige prinzipiell auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren könnte.

c) Beim Ehegattenunterhalt können Schulden bei der Prüfung der Leistungsfähigkeit nur abgezogen werden, wenn sie notwendig sind, z.B. für unvermeidbare Anschaffungen wie z.B. neue Wohnungseinrichtung nach der Trennung; oder die Kosten einer Berufsausbildung. Ausnahme: Jeder Ehegatte kann zusätzlich zur gesetzlichen Altersvorsorge (bzw. der Pension) noch bis zu 4% seines monatlichen Bruttoeinkommens als zusätzliche Altersvorsorge ausgeben. Dabei kann es sich auch um Vermögensbildung handeln.

3. Zahlt der Unterhaltspflichtige Schulden, die eigentlich nur den anderen Ehegatten betreffen, so kann er diese Zahlungen direkt vom geschuldeten Unterhalt abziehen, wenn es sich um Kosten des laufenden Lebensunterhalts des anderen Ehegatten handelt. Beispiel: Der aus der Wohnung ausgezogene Ehemann zahlt weiterhin die Kosten für Wasser, Telefon usw. Diese Zahlungen kann er unmittelbar von dem vorher ausgerechneten Unterhalt abziehen.