Anwalt Scheidung Roland Sperling

Ist eine Scheidung ohne Anwalt überhaupt möglich?

Das Gesetz schreibt vor, dass ein Scheidungsantrag nur von einem Anwalt gestellt werden darf. Daraus folgt, dass jedenfalls derjenige Ehegatte, der den Scheidungsantrag stellt, unbedingt einen Scheidungsanwalt braucht.  Das gilt für alle Scheidungen, auch bei ganz kurzen Ehen. Eine Scheidung ohne Anwalt ist also in Deutschland nicht möglich.

Eine Scheidung ohne Anwalt ist in Deutschland also nicht möglich. Denn ein Rechtsanwalt muss den Scheidungsantrag verfassen, ihn unterschreiben und dann beim Gericht einreichen. Auch beim Scheidungstermin vor Gericht muss unbedingt ein Anwalt anwesend sein.

Selbst bei einverständlichen Scheidungen oder bei sehr kurzen Ehen ist eine Scheidung nicht ohne einen Anwalt möglich. Eine Scheidung beim Notar oder anderen Behörden ist in Deutschland ebenfalls nicht möglich.

Wichtig: Der Anwalt desjenigen Ehegatten, der die Scheidung einreicht, ist nicht gleichzeitig auch der Anwalt des anderen Ehegatten. Einen “gemeinsamen” Anwalt gibt es in Scheidungssachen nicht! Auch wenn immer wieder das Gegenteil behauptet wird. Der Grund dafür ist, dass die Eheleute vor Gericht als “Gegner” angesehen werden. Und ein Anwalt darf nun mal nicht neben dem eigenen Mandanten auch noch dessen Gegner vertreten …

Braucht auch der andere Ehegatte einen eigenen Anwalt?

Bei einer einvernehmlichen Scheidung braucht der andere Ehegatte (also der “Antragsgegner”) keinen eigenen Anwalt. Seine Zustimmung zur Scheidung kann er ohne Anwalt erklären. Die Kosten für den zweiten Anwalt können Sie sich also sparen. So gesehen reicht also tatsächlich ein einziger Anwalt aus.

Der andere Ehegatte hat dann zwar keinen eigenen Anwalt. Aber das ist auch nicht nötig, solange alles einvernehmlich bleibt. Bei einer einvernehmlichen Scheidung gehen die Eheleute oft so vor, dass nur einer der Ehegatten einen Anwalt nimmt und der andere Ehegatte ohne Anwalt dem Scheidungsantrag zustimmt. Dies ist völlig unproblematisch und auch der billigste Weg.

Befürchtet der andere Ehegatte, dass seine Interessen zu kurz kommen, so kann er sich jederzeit einen eigenen Anwalt nehmen. Auch noch während des bereits laufenden Scheidungsverfahrens. Das ist ihm in jeder Phase des Verfahrens gestattet, wenn er irgendwelche Probleme befürchtet. In einem solchen Fall kann es aber genügen, wenn er sich von einem eigenen Anwalt erst einmal nur außergerichtlich beraten lässt. Das ist billiger, als einen eigenen Anwalt für das gesamte Scheidungsverfahren zu beauftragen.

Beispiel: Die Eheleute Braun sind sich einig, dass sie sich scheiden lassen wollen. Alle anderen Fragen wie Unterhalt, Sorgerecht für die Kinder usw. haben sie bereits untereinander geklärt. Herr Braun stellt den Scheidungsauftrag über das Online-Formular auf unserer Seite www.scheidung-online.de. Wir sind dann die Anwaltskanzlei von Herrn Braun. Frau Braun, die mit der Scheidung einverstanden ist, braucht keinen eigenen Anwalt. Sie erhält die Post direkt vom Gericht und kann auch ohne Anwalt den Scheidungstermin wahrnehmen. Sie kann selbst dem Gericht schriftlich mitteilen, dass sie mit dem Scheidungsantrag Ihres Mannes einverstanden ist.

Nur in den folgenden Fällen braucht der andere Ehegatte unbedingt einen eigenen Anwalt:

1. Falls er selber auch irgendwelche Anträge stellen will (z.B. wenn er selber einen eigenen Scheidungsantrag stellen will oder wenn er z.B. Anträge zum Unterhalt oder zum Sorgerecht stellen will).

Beispiel: Die Eheleute Braun sind sich einig, dass sie sich scheiden lassen wollen. Herr Braun erteilt den Scheidungsauftrag an seinen Anwalt. Frau Braun möchte beim Gericht beantragen, dass ihr ein Unterhalt zuerkannt wird. Da sie in diesem Fall einen eigenen Antrag stellen will (nämlich einen Antrag auf Unterhalt), braucht sie für das Scheidungsverfahren einen eigenen Anwalt.

2. Wenn die Eheleute vor Gericht eine Vereinbarung oder einen Vergleich schließen wollen. Das kann z.B. ein Vergleich über den Unterhalt oder über das Besuchsrecht sein. Der Häufigste Anwendungsfall ist ein Vergleich über den Versorgungsausgleich. In bestimmten Fällen kann der Versorgungsausgleich (Rentenausgleich) durch einen Vergleich der Eheleute im Gerichtstermin ausgeschlossen werden. Für solche Vergleiche ist immer ein zweiter Anwalt auf der “Gegenseite” nötig. Trotzdem ist es auch in diesen Fällen meistens gar nicht nötig, einen zweiten Anwalt für das gesamte Verfahren zu nehmen. Denn das würde ja die Anwaltskosten insgesamt verdoppeln. Bei den meisten Gerichten ist es möglich, hierzu schnell einen Anwalt hinzuzuziehen, der z.B. gerade vor dem Gerichtssaal auf seinen Termin wartet. In der Regel kostet das 100,- bis 150,- €. Diese Möglichkeit sollte vorher mit uns besprochen werden. Läuft die Scheidung über uns, kümmern wir uns rechtzeitig vor dem Termin um den zweiten Anwalt. Das verursacht bei uns auch keine zusätzlichen Kosten.