Wenn das Kind den Umgang verweigert

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Wenn das Kind den Umgang verweigert 2017-11-11T15:45:58+00:00

Umgangsrecht und entgegenstehender Kindeswille

In Umgangsrechtsstreitigkeiten wird oft vorgebracht, dass das Kind den anderen Elternteil gar nicht sehen und keinen Umgang mit ihm wolle. Diese Ablehnung durch das Kind kann vorgetäuscht sein, in vielen Fällen äußern sich die Kinder aber wirklich ablehnend zu Umgangskontakten. Es fragt sich, wie mit solchen Fällen umzugehen ist.

Einerseits gilt: Lehnt das Kind den Umgang mit dem anderen Elternteil ab, so führt dies nicht zwingend zu einer Versagung des Umgangsrechts. Andererseits darf man den Kindeswillen auch nicht einfach als unbeachtlich abtun oder unterstellen, der betreuende Elternteil habe das Kind “manipuliert”.

Es ist in solchen Fällen zu prüfen, ob die Ablehnung des Kindes nicht nur aus Loyalität zum betreuenden Elternteil erfolgt, welcher das Kind dahingehend beeinflusst hat. Gerade in solchen Fällen ist es wichtig, dass ein Umgang des Kindes mit dem anderen Elternteil stattfindet, damit einer Entfremdung entgegengewirkt werden kann. Deshalb gibt es z.B. die Möglichkeit, den Umgang erst einmal unter Vermittlung des Jugendamtes stattfinden zu lassen, evtl. an einem “neutralen” Ort und im Beisein einer Beamtin des Jugendamtes. Vereitelt der sorgeberechtigte Elternteil das Umgangsrecht, macht er sich u.U. wegen Kindesentziehung strafbar (§ 235 Strafgesetzbuch).

Umgekehrt darf man ein Kind aber nicht zum Umgang zwingen, wenn das Kind dem Umgang tatsächlich ablehnend gegenübersteht. Denn dies würde eine Missachtung des Kindeswillens und damit letztlich eine Gefährdung des Kindeswohls bedeuten. In diesem Zusammenhang kommt es auch nicht darauf an, ob der Kindeswille – tatsächlich oder vermeintlich – “manipuliert” ist. Denn auch ein manipulierter Kindeswille hat aus der Sicht des Kind Anspruch auf Berücksichtigung und darf nicht einfach gebrochen” werden.

Die Gründe für die Ablehnung müssen deshalb im Einzelfall genau erforscht werden, wozu in der Regel ein kinderpsychologisches Gutachten erforderlich ist. Wenn der Kindeswille autonom, intensiv und stabil ist, wäre ein Übergehen des Kindeswillens in aller Regel kindeswohlgefährdend. Ab einem Alter von ca. 11 Jahren kommt die Anordnung eines Umgangs gegen den gefestigten Willen des Kindes nicht mehr in Betracht (OLG Schleswig NZFam 2016,29; OLG Stuttgart NZFam 2016,43).

Insbesondere betroffene Väter berufen sich oft auf das Vorliegen eines So genannten “PAS-Syndroms” (“Eltern-Entfremdungs-Syndrom”). Die Theorie, in solchen Fällen liege immer eine einseitige Beeinflussung durch die Mutter vor und der Umgang müsse gegen den Willen erzwungen werden, hat sich mittlerweile als haltlos und unwissenschaftlich erweisen. Dennoch wird auch von einigen Anwälten immer noch auf diese Theorie Bezug genommen.

Bitte lesen Sie hierzu den informativen Artikel “PAS-Streit gefährdet Kindeswohl” .

Derjenige Elternteil, bei dem das Kind lebt, ist verpflichtet, das Umgangsrecht zu fördern und auf das Kind Einfluss auszuüben, damit es das Umgangsrecht wahrnimmt. (“Verpflichtung zum Wohlverhalten”).


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