So berechnen Sie die Scheidungskosten

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So berechnen Sie die Scheidungskosten 2017-12-17T22:34:09+00:00

Die Anwalts- und Gerichtskosten hängen von einem so genannten “Gegenstandswert” ab. Dabei handelt es sich um einen theoretischen Betrag, anhand dessen man dann aus einer Kostentabelle die Kosten ablesen kann. Beträgt der Gegenstandswert z.B. 7.000,- €, so heißt das also nicht, dass man 7.000,- € zahlen muss. Vielmehr kann man in der Kostentabelle ablesen, dass bei einem Gegenstandswert von 7.000,- € die Gerichtskosten 302,- € und die Anwaltskosten 1.139,43 € betragen. Die tatsächlichen Kosten sind also viel geringer als der “Gegenstandswert”.

Wichtig ist also, zunächst einmal diesen “Gegenstandswert” zu berechnen. Die Berechnung erfolgt in vier Schritten:

1. Zunächst addieren Sie das monatliche Nettoeinkommen beider Ehegatten.

Anmerkung: Vom Einkommen können abgezogen werden: Steuern, Sozialversicherungen, Fahrtkosten zur Arbeit. Außerdem können pro Kind, für das Unterhalt geleistet wird, 250,- Euro abgezogen werden.
Das Einkommen können Sie selber schätzen. Eine ungefähre Angabe reicht uns aus. Keinesfalls müssen Sie uns irgendwelche Einkommensnachweise schicken.

2. Sodann wird das Resteinkommen nach Abzug der genannten Positionen mit 3 multipliziert.

3. Falls eine einverständliche Scheidung vorliegt und außer der Scheidung selbst keine weiteren Punkte zu klären sind, kann der so gefundene Betrag um 30% gekürzt werden.

Anmerkung: Der Gegenstandswert wird nicht von uns als Anwaltsbüro verbindlich festgesetzt, sondern vom Gericht. Zu diesem Zweck werden meist beide Eheleute im Gerichtstermin mündlich nach ihren Einkommensverhältnissen befragt. Es kann dann vorkommen, dass das Gericht den Gegenstandswert abweichend von unseren Vorgaben festsetzt. Die Kürzung um bis zu 30% für eine einvernehmliche Scheidung beruht auf der Rechtsprechung des OLG Düsseldorf, in dessen Bezirk unsere Kanzlei liegt. Da nicht alle Gerichte in Deutschland diese Kürzung anerkennen, kann es mitunter vorkommen, dass ein Gericht den Gegenstandswert höher festsetzt, als wir es zu Beginn des Verfahrens getan haben. Unsere Kanzlei wird aber
– vor Gericht immer darauf hinwirken, dass der Gegenstandswert so gering wie möglich angesetzt wird (hierzu verpflichten wir uns Ihnen gegenüber verbindlich)
– garantiert immer diejenige Verfahrensweise wählen, die zu den geringst möglichen Kosten für Sie führt, und die Auslagen nachweislich so gering wie möglich halten.

4. Zu diesem Gegenstandswert der Scheidung kommt dann noch der Gegenstandswert des Versorgungsausgleichs (Rentenausgleichs) hinzu. Das hängt allerdings davon ab, ob und wie der Versorgungsausgleich überhaupt durchgeführt wird:

a) Bei Ehen unter 3 Jahren Dauer (gerechnet bis zum Scheidungsantrag) wird grundsätzlich kein Versorgungsausgleich durchgeführt, solange nicht einer der Eheleute die Durchführung des Versorgungsausgleichs beantragt. Da der Versorgungsausgleich aber dennoch (grundsätzlich) erst einmal Gegenstand des Scheidungsverfahrens ist, wird als Gegenstandswert der Mindestwert von 1.000,- € angesetzt.

b) Bei Ehen, die länger als drei Jahre gedauert haben, können die Eheleute durch Erklärung vor Gericht auf den Versorgungsausgleich verzichten. In diesem Fall fällt nur der Mindest-Gegenstandswert des Versorgungsausgleichs von 1.000,- € an.

c) Haben die Eheleute den Versorgungsausgleich durch Notarvertrag ausgeschlossen, fällt ebenfalls nur der Mindeststreitwert von 1.000,- € an.

d) Soll der Versorgungsausgleich durchgeführt werden, so hängt die Höhe seines Gegenstandswertes von der Anzahl der auszugleichenden Rentenversicherungen ab. Der Gegenstandswert beträgt 10% des dreifachen Monatsnettoeinkommens beider Eheleute pro vorhandener Rentenversicherung (inkl. Betriebsrente, Zusatzversorgung, Riesterrente usw.). Haben die Eheleute also z.B. ein monatliches Nettoeinkommen von 3.000,- € und zusammen drei Rentenversicherungen, so beträgt der Gegenstandswert des Versorgungsausgleichs 3000,- € x 3 = 9.000,- €, davon 10% = 900,- €, bei drei Rentenversicherungen also 2.700,- €.

Beispiele für eine Gegenstandswertberechnung:

1. Der Ehemann verdient netto 2.000,- €, die Ehefrau verdient netto 900,- €. Sie haben zwei unterhaltsberechtigte Kinder. Auf den Versorgungsausgleich wollen sie verzichten.
Man rechnet: Gesamteinkommen 2.900,- €, abzüglich 250,- € pro Kind bleiben 2.400,- €. Dieser Betrag x 3 = 7.200,- €. Abzüglich 30% = 5.040,- €. Hinzuaddiert 1.000,- € Mindest-Gegenstandswert des Versorgungsausgleichs ergibt insgesamt einen Gegenstandswert von 6.040,- €.

2. Die Eheleute verdienen zusammenaddiert monatlich netto 3.200,- €. Es sind keine Kinder vorhanden. Es handelt sich um eine einfache Scheidung. Der Versorgungsausgleich ist durchzuführen, jeder der Eheleute hat eine Rentenversicherung.
Man rechnet:
(1) Gegenstandswert der Scheidung: 3.200,- € x 3 = 9.600,- € ./. 30% = 6.720,- €.
(2) Gegenstandswert des Versorgungsausgleichs: Es wird ausgegangen vom Scheidungs-Gegenstandswert vor der 30%-Kürzung. Also: 9.600,- € x 10% x 2 = 1.920,- €.
(3) Gesamt-Gegenstandswert: 6.720,- € + 1.920,- € = 8.640,- €.

In der Tabelle unten können Sie sodann ablesen, welche Kosten bei einem bestimmten Gegenstandswert entstehen.

 

Weitere Einzelfragen:

1. Welche Rolle spielt das Vermögen?

Nach dem Gesetz spielt auch das Vermögen bei der Streitwertberechnung eine Rolle. In der Praxis ist es allerdings sehr selten, dass ein Gericht überhaupt nach dem Vermögen fragt. In 99% aller Fälle wird das Vermögen also nicht mitgerechnet.

Sollte ausnahmsweise das Gericht doch einmal nach dem Vermögen fragen, so gilt folgendes: Zunächst wird für jeden Ehegatten und für jedes Kind ein Freibetrag abgezogen. Die Höhe dieser Freibeträge steht nicht im Gesetz, sondern wird von den Gerichten unterschiedlich angesetzt. In der Regel kann man von einem Freibetrag in Höhe von 10-15.000,- € für Ehegatten und 5-7.500,- € je Kind ausgehen. Vom verbleibenden Vermögen fließt ein Betrag in Höhe von 5% in den Streitwert ein. Besitzen die Ehegatten z.B. ein Hausgrundstück im Wert von 250.000,- € und haben sie ein Kind, so werden erst die Freibeträge in Höhe von (z.B.) 35.000,- € abgezogen. Es verbleiben 215.000,- €, davon 5% = 10.750,- €. Dieser Streitwert wird zum Streitwert, der sich aus dem Nettoeinkommen ergibt (s.o.), hinzugerechnet.

Das Gericht prüft übrigens die Vermögensverhältnisse nicht nach. Wertgutachten oder dergleichen muss man also nicht vorlegen, sondern man kann den Wert seines Vermögens selber schätzen.
Schulden werden übrigens abgezogen.

2. Welche Kosten entstehen bei einem bestimmten Gegenstandswert?

Die folgende Tabelle enthält die Gerichtsgebühren bei einer einverständlichen Scheidung. Außerdem sind in der Tabelle die Anwaltsgebühren aufgeführt, die für eine Scheidung bei uns entstehen (einvernehmliche Scheidung). Es handelt sich um die Gesamtkosten für beide Eheleute.

Gegenstandswert bis Gerichtskosten unsere Gebühren
3.000,- 216,- 621,78
4.000,- 254,- 773,50
5.000,- 292,- 925,25
6.000,- 330,- 1.076,05
7.000,- 368,- 1.228,68
8.000,- 406,- 1.380,40
9.000,- 444,- 1.532,13
10.000,- 482,- 1.683,85
13.000,- 534,- 1.820,70
16.000,- 586,- 1.957,55
19.000,- 638,- 2.094,40
22.000,- 690,- 2.231,25

Höhere Gegenstandswerte auf Anfrage.

Anmerkung:
Bei Gegenstandswerten bis ca. 6.000,- Euro kommt i.d.R. die Gewährung von Prozesskostenhilfe in Betracht, bei mehreren Kindern bzw. hohen Schulden evtl. auch bei höheren Gegenstandswerten.

3. Können die Kosten im Laufe des Verfahrens höher werden?

Es bleibt bei den oben genannten Kosten, solange vor Gericht einzig und allein die Scheidung verhandelt wird und es sich um eine einverständliche Scheidung handelt. Die Kosten erhöhen sich aber, wenn weitere Streitigkeiten mitgeregelt werden sollen (z.B. Unterhalt, Kindschaftssachen), denn erhöht sich der Streitwert und damit natürlich die Kosten. Eine solche Erhöhung kann auch noch während des Prozesses eintreten, wenn z.B. einer der Ehegatten erst im Laufe des Prozesses eine Klage auf Unterhalt einreicht. Wenn Sie sich mit Ihrem Ehegatten aber über die Folgen der Scheidung einig sind, lassen sich solche Mehrkosten vermeiden. In der überwiegenden Mehrheit aller Fälle bleibt es daher bei den oben genannten Kosten.

4. Sie können die Kosten vorab unverbindlich erfragen.

Rufen Sie uns entweder unter 0211 5868801 an oder senden Sie eine Email. Wir brauchen folgende Angaben:
– monatliches Nettoeinkommen beider Ehegatten (ungefähre Angaben reichen völlig aus, wir und das Gericht brauchen keine Gehaltsbescheinigungen. Je höher der Verdienst ist, desto höher sind die Kosten)
– Anzahl der unterhaltsberechtigten Kinder
– einverständliche Scheidung oder nicht?
– gibt es bereits einen notariellen Ausschluss des Versorgungsausgleichs?

5. Entstehen weitere Kosten, z.B. Auslagen oder Fahrkosten des Anwalts zum Gerichtstermin?

(1) Porto- und Telefonkosten: Diese Kosten sind bereits in den Beträgen der unten stehenden Tabelle enthalten, es entstehen hierfür also keine zusätzlichen Kosten.

(2) Kosten für die Anreise des Anwalts zum Gerichtstermin: Solche Kosten fallen in der Regel nicht an. Grundsätzlich kommen wir nicht persönlich aus Düsseldorf zum Gericht, sondern wir beauftragen eine mit uns zusammenarbeitende Anwaltskanzlei am Gerichtsort damit, den Termin für uns wahrzunehmen. Das ist bei einer einverständlichen Scheidung völlig unproblematisch, denn in diesen Fällen muss ein Anwalt nicht viel sagen und praktisch nur anwesend sein (der Scheidungstermin dauert oft nur wenige Minuten). Wir arbeiten seit vielen Jahren mit einer Reihe von zuverlässigen Rechtsanwälten in allen Regionen Deutschlands zusammen, die für uns die Termine wahrnehmen. Sie haben mit diesen Anwälten vor Ort nichts zu tun, Ihr Prozessbevollmächtigter bleibt Rechtsanwalt Sperling, der auch das Urteil zugestellt bekommt. Durch die Beauftragung des ortsansässigen Anwalts entstehen Ihnen übrigens keine zusätzlichen Kosten, die Scheidung wird also nicht teurer. Falls Sie aber ausnahmsweise doch wünschen, dass Rechtsanwalt Sperling Ihren Scheidungstermin persönlich wahrnimmt, entstehen weitere Kosten in Form von Fahrkosten.

6. Wann muss ich zum ersten Mal etwas zahlen?

Sie müssen nichts im Voraus zahlen!. Nachdem wir die Scheidung beim Gericht eingereicht haben, vergibt das Gericht ein Aktenzeichen (Geschäftsnummer). Dieses Aktenzeichen teilen wir Ihnen mit. Erst dann schicken wir Ihnen die erste Rechnung. Sie können sich also, wenn Sie wollen, anhand des Aktenzeichens selbst bei Gericht vergewissern, dass alles in Ordnung ist, bevor Sie etwas zahlen.

7. Kann ich die Kosten in Raten zahlen?

Üblicherweise berechnen wir die erste Hälfte der Kosten am Anfang des Verfahrens, die zweite Hälfte dann am Ende. Sie können aber gerne auch andere Raten zahlen.

8. Wie sieht es mit Prozesskostenhilfe aus?

Wir können Ihre Scheidung auch mit Prozesskostenhilfe durchführen, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Dann ist die Scheidung billiger, evtl. sogar umsonst. Prozesskostenhilfe bedeutet, dass das Gericht die Anwaltskosten zahlt. Sie können diese Kosten dann in Raten beim Gericht abzahlen. Der Vorteil liegt darin, dass die Gesamtkosten geringer sind. Wenn Sie beide ein besonders geringes Einkommen (bzw. hohe Ausgaben) haben, ist die Scheidung möglicherweise sogar kostenlos.

Prozesskostenhilfe setzt voraus, dass beide Ehegatten nur ein geringes Einkommen bzw.hohe Schulden haben. Ist nur einer der Ehegatten “arm”, während der andere ein gutes Einkommen hat, gibt es keine Prozesskostenhilfe. Denn in diesem Fall muss erst mal der besser verdienende Ehegatte zu den Kosten herangezogen werden.

Der Nachteil der Prozesskostenhilfe ist, dass dadurch das Scheidungsverfahren meist länger dauert.
Falls Sie Prozesskostenhilfe in Anspruch nehmen wollen, werden wir sie für Sie beim Gericht beantragen. Hierzu müssen Sie ein Formular ausfüllen, das wir Ihnen zuschicken. Wir brauchen Gehaltsbescheinigungen beider Eheleute, eine Kopie des Mietvertrags und Unterlagen über evtl. Schulden (Kopien reichen).

Weitere Informationen zur Prozesskostenhilfe erhalten Sie auf der Seite “Verfahrenskostenhilfe“.


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