Eine Verringerung des Selbstbehalts kommt nur sehr selten in Betracht. Insbesondere geht es um zwei Fälle:

1. Verringerung des Selbstbehalts wegen geringerer Mietkosten?

Der Selbstbehalt darf nicht allein deshalb reduziert werden, weil der Unterhaltspflichtige geringere Wohnkosten als die in den Selbstbehaltssätzen vorgesehenen Wohnkosten hat.

Beispiel: Der berufstätige Vater hat grundsätzlich einen notwendigen Selbstbehalt von 1.160,- €, worin 430,- € Warmmiete enthalten ist. Hat er aber tatsächlich eine Warmmiete von nur 270,- €, so reduziert sich sein Selbstbehalt nicht etwa auf 1.000,- €, sondern er bleibt bei 1.160,- €. Denn es steht dem Unterhaltspflichtigen frei, sich eine einfachere, billigere Wohnung zu suchen und das Geld für Kleidung oder Essen auszugeben (OLG Frankfurt FamRZ 1999,1522; OLG Düsseldorf FamRZ 1999,1020).

2. Verringerung des Selbstbehalts wegen Zusammenlebens mit einem neuen Partner:

Lebt der Unterhaltspflichtige mit einem neuen Partner zusammen, so kommt eine Reduzierung des Selbstbehalts wegen der Ersparnisse durch die gemeinsame Haushaltsführung in Betracht. denn zu zweit wirtschaftet man nun mal günstiger, als wenn beide Partner allein leben würden. Es ist dann also gerechtfertigt, dem Unterhaltspflichtigen einen geringeren Betrag für sich selbst übrig zu lassen.

In solchen Fällen kann man den Selbstbehalt um 10% kürzen (OLG Nürnberg FF 2015,2011), außerdem noch um die Hälfte der im Selbstbehalt jeweils berücksichtigten Miete (OLG Schleswig NZFam 2015,364). Bei hohen Wohnkosten kann die Höhe der ersparten Mietkosten aber auch geringer anzusetzen sein.

Voraussetzung ist aber, dass der neue Partner überhaupt so hohe Einkünfte hat, dass er sich an den gemeinsamen Lebenshaltungskosten finanziell beteiligen kann. Er muss also – nach Abzug von berufsbedingten Aufwendungen – mindestens ca. 800,- Euro netto verdienen. Hat der Partner dagegen selber nur Einkünfte nach dem SGB II (“Hartz 4”) oder aus Sozialhilfe, so kommt eine Herabsetzung des Selbstbehalts beim Unterhaltspflichtigen nicht in Betracht, wenn der Unterhaltspflichtige und der Partner in einer so genannten “Bedarfsgemeinschaft” leben (OLG Hamm FamRZ 2010,985).

Lebt der unterhaltspflichtige Vater also mit einer neuen Lebensgefährtin zusammen, die eigenes Einkommen hat, so kann sein angemessener Selbstbehalt von 1.400,- Euro auf 1.260,- Euro und sein notwendiger Selbstbehalt von 1.160,- Euro auf 1.044,- Euro reduziert werden

Ist der unterhaltspflichtige Elternteil erneut verheiratet und hat er  in der neuen Ehe die Rolle des Hausmanns/Hausfrau übernommen, so ist gar kein Selbstbehalt zu berücksichtigen, falls sein Ehegatte ein für beide Eheleute ausreichendes Einkommen hat.

Beispiel: Die Mutter ist ihren Kindern aus erster Ehe unterhaltspflichtig. Sie heiratet erneut und hat ein weiteres Kind unter 3 Jahren. Deshalb geht sie nur noch einem 450,- Euro-Job nach und betreut im Übrigen ihr neues Kind. Ihr Mann verdient 2.500,- Euro netto. Ihr steht kein Selbstbehalt zu, das heißt sie muss die 450,- € für den Unterhalt ihrer ersten Kinder einsetzen.